Sicherheit bei der Reparatur von Steuergeräten

Die hier beschriebene Problematik bezieht sich hauptsächlich auf ABS, ASR, DSC, ESP und SBC Steuergeräte. Bei Motorsteuergeräten, Komfortsteuergeräten und anderen trifft diese Beschreibung nur teilweise zu. Airbag Steuergeräte werden von uns grundsätzlich nicht repariert.

Grundsätzlich

Jedes in einem Kraftfahrzeug verbaute Bauteil muss nach der Straßenverkehrsordnung sicher und ohne Mängeln bzw. Gefährdung betrieben werden. Grundsätzlich wird dies bei der Erst-Inbetriebnahme des Fahrzeugs durch die KBA Abnahme und erste Straßen Verkehrs Zulassung des entsprechenden Fahrzeugs erreicht. Der Zustand des Fahrzeugs wird im Laufe der Jahre durch die wiederkehrenden §21 Prüfungen (TÜV) überprüft. Natürlich kann der KFZ-Sachverständige bei dieser Prüfung nicht alle Bauteile im Fahrzeug, sondern nur die wichtigsten, sicherheitsrelevanten Bauteile und die Gesamtfunktion prüfen. Jedoch gilt, was eingebaut ist muss auch funktionieren. Ist ein zusätzliches elektronisches Sicherheitssystem wie ABS, ASR, DSC, ESP, SBC, usw. eingebaut muss dieses auch funktionieren. Auch sind gewisse Fahrleistungen und der geforderte sichere Betrieb nur mit diesen Zusatzfunktionen gewährleistet (z.B. Anhängerbetrieb, Bremskraftverteilung, Elch Test etc.). Eine Grauzone bilden hier sicherlich abschaltbare Systeme, jedoch müssen auch diese bei der §21 Prüfung eingeschaltet werden und funktionieren.

Ein nicht funktionierendes Sicherheitssystem wird dem Fahrer durch eine Warnlampe (meist Gelb) oder endsprechender Textmeldung angezeigt. Der Fahrer sollte möglichst umgehend eine Werkstatt aufsuchen und das Fahrzeug überprüfen lassen. Der Betrieb des KFZs ist nun auf eigene Gefahr und ohne Versicherungsschutz. Wird das Fahrzeug mit ausgefallenem System bei der §21 Prüfung dem KFZ-Sachverständigen vorgeführt, wird die TÜV Plakette wegen erheblicher Mängel nicht zugeteilt.

Reparaturen an KFZ-Steuergeräten

Wir reparieren grundsätzlich nur Elektronik Komponenten der Steuergeräte. Reparaturen an hydraulischen Bauteilen im Hydraulikblock/ Ventilblock etc. werden nicht durchgeführt, bzw. nur mit Originalteilen repariert. Tritt nun in der Elektronik eines elektronischem Zusatzsystems ein Fehler oder ein nicht plausibler Zustand auf wird dieses sofort deaktiviert und der Fahrer erhält eine Meldung (Warnlampe Gelb oder Textmeldung). Das hydraulische System arbeitet nun aber weiterhin, das Fahrzeug kann ohne das elektronische Zusatzsystem gebremst werden. Dieses hydraulische System ist wiederum mit 2-facher Sicherheit ausgelegt (2 hydraulische Bremskreise vorne/hinten) somit wäre es bei einem sehr unwahrscheinlichem Ausfall in einem dieser Bremskreis immer noch möglich das Fahrzeug mit reduzierter Bremsleistung abzubremsen. Der hydraulische Teil des Bremssystems wird bei der §21 Untersuchung überprüft, da hier keine Fehler und Mängel auftreten dürfen. Alle elektronischen Bauteile in einem Steuergerät können weder überprüft werden noch kann ein Verschleiß festgestellt werden. Diese Bauteile können jederzeit ohne Vorwarnungen ausfallen.

Es ist somit ausgeschlossen, dass ein elektronischer Defekt eines Zusatzsystems die eigentliche Bremsfunktion stark beeinträchtigt oder komplett deaktiviert. Voraussetzung ist natürlich, dass das System nach Herstellerangaben richtig eingebaut, überprüft und nicht manipuliert wurde. Deshalb ist der Aus- und Einbau und anschließende Prüfung nur vom Fachmann zulässig. Kurz zusammengefast: Ein elektronischer Defekt oder Fehlfunktion bei Zusatzsystemen wie ABS, ASR, DSC und ESP wird vom System sofort erkannt und angezeigt. Eine Beeinträchtigung der hydraulischen Grundbremsfunktion ist bei fachgerechtem Einbau und Prüfung nicht möglich. Elektronik kann jederzeit ausfallen, auch bei fabrikneuen Geräten, deshalb sind diese Zusatzsysteme (auch Assistenzsysteme genannt) ohne Bedenken mit hochwertigen technischen Mitteln vom Fachmann zu reparieren.

Aktive Bremsassistenten / High Tech mit Tücken?

SBC Bremse Mercedes Benz, BMW Motorrad Integral ABS

Eine spezielle Art stellt die von Bosch gebaute und in Mercedes Benz Fahrzeugen eingesetzte SBC Bremse und das in BMW Motorrädern verbaute Integralbremssystem I des Herstellers FTE dar. Hier handelt es sich um Zusatzsysteme die zusätzlich zur ABS/ESP-Funktion aktiv den Bremsruck erhöht und regelt. Fällt das System aus, ist zwar immer noch das 2-Kreise-Hydraulik-System verfügbar jedoch nur noch in der sogenannten „Restbremsfunktion“ ohne Bremskraftverstärkung. Dies wird natürlich dem Fahrer, wie bei allen elektronischen Zusatzsystemen, durch die entsprechende Warnung angezeigt (Warnlampe Gelb oder Textmeldung). Jedoch ist hier eine starke Beeinträchtigung der Bremsleistung die Folge. Es ist für den Fahrer bei einem plötzlichen Ausfall des Systems während einer Bremsung dann sehr erschreckend wenn die Bremsleistung plötzlich stark nachlässt. In solchen Situationen hat der Fahrer auch nicht mehr die Möglichkeit und vor allem die Zeit auf eine Fehlermeldung in seiner Anzeigen zu achten. Es sind hier bereits Unfälle mit diesen Systemen bekannt, jedoch berufen sich die Hersteller und die Fahrzeugindustrie auf eine für diese Fahrzeuge bestehende KBA Zulassung und dass bei regelmäßiger Wartung keine Sicherheitsbedenken bestehen.

Wir haben bei diesen beiden aktiven Systemen bedenken, da jederzeit die Restbremsfunktion durch einen elektronischen oder anderen Defekt eintreten kann. Hier hilft keine Wartung etc., denn die Elektronik wird nicht gewartet und niemand kann die Elektronik und elektromechanischen Komponenten im Steuergerät auf Verschleiß prüfen. Allein ein Spannungsausfall durch eine schwache oder defekte Batterie löst den Zustand der Restbremsfunktion aus. Die zahlreichen mechanischen Bauteile der Einheiten können auch jederzeit einen Fehler verursachen wie bei allen hier beschriebenen Geräten. Problem ist, dass nur noch eine Restbremsfunktion zur Verfügung steht.

Kurze technische Erklärung zu den Systemen SBC (Bosch) und Integral I ABS (BMW/FTE):

SBC Bremse Bosch: Aktives Bremssystem mit elektrohydraulischer Bremskraftverstärkung mittels Hydraulikpumpe und Druckspeicher. Zahlreich Drucksensoren und Überwachungsfunktionen im Gerät. Der technische Vorteil ist das Einsparen eines Bremskraftverstärkers und ein Anlegen der Bremsbacken an den Bremsscheiben durch das System schon bevor der Fahrer die Bremse betätigt. Dies verkürzt zwar den Bremsweg bedeutet aber natürlich auch hohen Bremsbelagsverschleiß und Kosten. Bosch hat einen Zähler in der Gerätesoftware, der die Anzahl der Betätigungen des Bremspedals zählt. Ab 180.000 Bremsungen ist der Zähler voll und es erscheint eine Warnmeldung im Fahrzeug und am Diagnosegerät „SBC Wartung erforderlich“, oder „SBC Laufzeit überschritten“. Nun soll nach Herstellerangabe das gesamte Gerät getauscht werden, da das Gerät nun die damals errechneten Verschleiß-Grenzen erreicht haben soll. Dies ist eine rein prophylaktische Maßnahme um Ausfälle des Systems zu vermeiden und beschert den Herstellern und Teilehändlern natürlich einen größtmöglichen Umsatz.

Wir haben zahlreich SBC Einheiten nach Erreichen dieser Warnmeldung auf Verschleiß an der Elektronik untersucht. Wir konnten keinen feststellen, da, wie bereits erwähnt, Verschleiß an Elektronik nicht gemessen werden kann. Der Elektronische Pumpenmotor an der Einheit unterliegt natürlich einem gewissen Verschleiß. Bei allen Testeinheiten liefen die Motoren ohne Probleme der Verschleiß der Kohlen (Kohlenbürste) betrug ca. 10-15%. Somit wären diese Motoren noch gut für die 3-4 fache Laufzeit. Wir kennen aus anderen Geräten mit Kohlenbürsten-Gleichstrommotoren Fälle in denen die Motoren bereits nach 1,5 Jahren und bei ca. 5% Verschleiß ausgefallen sind. Somit ist hier ein Austausch prophylaktisch keine Garantie für eine 100% Betriebssicherheit. Der Rest des Systems besteht aus zahlreichen Sensoren, elektrohydraulischen Ventilen und einem Druckspeicher.

Der Druckspeicher, speziell seine Membrane, unterliegt natürlich einem gewissem Verschleiß. Jedoch wird der Speicherdruck laufend überwacht. Kommt es zum Fehler wird, wie bei jedem Fehler, der Fahrer sofort gewarnt. Wir empfehlen den Austausch des Speichers ab einer Laufleistung von ca. 200.000 km oder nach ca. 10 Jahren um Ausfälle vorab zu vermeiden. Der Druckspeicher kann bei uns separat zur Rücksetzung der SBC Einheit bestellt werden. Ärgerlich ist leider auch, dass oft nach dem Ausbau der Einheit dieser Druckspeicher (Membrane) sich durch Druckabfall im ausgebauten System entspannt und dann beim Einbau für eine Fehlermeldung sorgt. Wir empfehlen deshalb immer den zusätzlichen Austausch des Druckspeichers. Beim Einbau der SBC Einheit kommt es je nach Diagnosetool und Einbau-Ablauf immer wieder zu Problemen. Sie erhalten nach Reparatur Ihres Gerätes eine Einbauanleitung mit entsprechenden Hinweisen und Tricks.

BMW Motorrad Integral ABS I von FTE: Dieses System ist ebenso ein aktives Bremssystem mit elektrohydraulischer Bremskraftverstärkung mittels Hydraulikpumpe. Es wurde entwickelt um den Hydraulikdruck an den Bremszangen schneller aufzubauen um bei einer Bremsung den Bremsweg zu verkürzen. Ungeübten Motorradfahrern soll die Integralfunktion das Bremsen mit nur einer betätigten Handbremse erleichtern. Das System ist sehr aufwendig mit 2 Hydraulikpumpen und 4 Drucksensoren aufgebaut. Leider entstehen bei diesem System einige sehr negative Regelfunktionen die Motorradfahrer eigentlich nicht erwarten. Auch ist das Gerät technisch derart überzüchtet, das Ausfälle vorprogrammiert sind. Die Entlüftung ist sehr aufwendig und kann nur mit einem geeigneten Diagnosetool fachgerecht abgeschlossen werden. Ausfälle können jederzeit von elektronischen sowie mechanischen Komponenten verursacht werden. Der Fahrer erhält natürlich bei Ausfall des Systems eine Mitteilung über die entsprechende Warnleuchte, jedoch hat er ab diesem Zeitpunkt nur noch die Restbremsfunktion! Ein nicht geübter Fahrer kann hier sehr schnell die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Nicht auszudenken was passieren kann wenn das System gerade bei einer Bremsung ausfällt. Der Fahrer hat hier nicht die Zeit seine Warnleuchten zu beobachten und sich auf die Restbremsfunktion einzustellen. Die Entwickler dieses Systems wahren wohl keine Motorradfahrer und haben auch bei der Auswahl der eingebauten Komponenten nicht auf eine ausreichende Qualität geachtet.

Fazit: Wir halten die Systeme SBC Bosch und Integral ABS I BMW / FTE für nicht ausgereift und technisch zu anfällig, sehen jedoch keinen Grund wieso diese nicht repariert werden sollten. Ist doch nach der Reparatur und fachgerechtem Einbau das System wieder genauso einsatzfähig wie vor der Reparatur. Ein Defekt kann immer auftreten sowohl bei einem fabrikneuen Gerät als auch bei einem Gerät mit Alter von über 10 Jahren oder einem repariert Gerät. Tritt ein Fehler auf wird das System deaktiviert und der Fahrer erhält wie bei allen Systemen eine Fehlermeldung. Jedoch kann es passieren, dass bei diesen aktiven Bremssystemen dann nur noch die Restbremsfunktion zur Verfügung steht und eine Bremsung in einer Gefahrensituation zum Problem wird. Diese Sicherheitslücke ist den Hersteller der Geräte und den Fahrzeugherstellern bekannt und wird dem Kunden verschwiegen. Systeme dieser Art und Bauweise wurden von den Herstellern nicht mehr weiterentwickelt und verbaut. Dies zeigt, dass die technischen Probleme trotz guter Gewinnmargen zu groß waren.